11 wissenswerte „Fakten“ über Menschen mit Sehbehinderung & Blindheit

Eine Frau führt einen blinden Mann mit Blindenführstock und Armbinde, über die Straße
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Natürlich gelten diese „Fakten“ nicht pauschal für jeden sehbehinderten & blinden Menschen!

1. Blind nicht gleich blind & sehbehindert nicht gleich sehbehindert

Eine Sehschädigung ist genau so vielfältig wie andere Erkrankungen. Menschen mit einer Sehschädigung haben diese aus diversen Gründen und die Auswirkungen sind sehr unterschiedlich. Die schwierigste Frage für einen Menschen mit Sehschädigung ist „wie er eigentlich sieht bzw. was er noch sieht.“

Sehbehindert ist nicht gleich sehbehindert

Wann ist man sehbehindert ?

Man kann zwischen korrigierbaren und nicht korrigierbaren Beeinträchtigungen des Sehens unterscheiden.

Die korrigierbaren, z.B. Weitsichtigkeit, Kurzsichtigkeit, können weitestgehend mit einer Brille/Kontaktlinsen behoben werden. Nicht korrigierbare Seheinschränkungen sind oft angeboren oder durch einen Unfall verursacht. Sie betreffen z.B. Störungen im Bereich des Sehnervs, der Netzhaut, der Linse, oder der Hornhaut.

Tabelle möglicher Erkrankungen, welche zu Sehbehinderungen führen können.
Altersabhängige Makuladegeneration 50 %
Glaukom 18 %
Diabetische Retinopathie 17 %
Katarakt 5 %
Andere Ursachen 4,6 %
Hornhautrübungen 3 %
Erblindung in Kindheit 2,4 %

Meistens können diese dann nicht durch eine Brille/Kontaktlinsen behoben werden. Sehbehinderte tragen trotzdem manchmal eine Brille. Dies kann auf eine Kombination aus korrigierbaren und nicht korrigierbaren Sehbeeinträchtigungen schließen lassen.


In Deutschland leben rund 155.000 blinde und zwischen 500.000 und 1,1 Millionen sehbehinderte Menschen. Jedes Jahr erblinden über 20.000 Menschen. Die meisten in hohem Alter, wie folgende Altersverteilung zeigt:

– 0-18 Jahre: 6 %
– 18-30 Jahre: 7 %
– 30-60 Jahre: 17 %
– 60-80 Jahre: 32 %
– ab 81 Jahre: 38 %

Rund 85 % der sehbehinderten Menschen sind älter als 60 Jahre, 10 % sind zwischen 30 und 60 Jahre und jeweils etwa 2,5 % gehören den Altersgruppen 0-18 Jahre und 19-30 Jahre an. 

Blindheit und Sehbehinderung betrifft Männer wie Frauen gleichermaßen. Bei allen Altersgruppen bis ca. 60 Jahre ist die Verteilung der von Blindheit und Sehbehinderung Betroffenen auf die beiden Geschlechter gleich. Aufgrund der höheren Lebenserwartung der Frauen sind in der Altersgruppe 60+ allerdings mehr als 2/3 der schlecht oder nicht sehenden Personen weiblich. 

Nur rund 30 % der blinden Menschen im erwerbsfähigen Alter, also rund 11.000 der ungefähr 33.000 blinden Menschen zwischen 20 und 60 Jahren, haben einen Arbeitsplatz. Nach WHO-Angaben wird die Blindheit in Mitteleuropa durch folgende Krankheiten verursacht:

Man ist sehbehindert wenn man trotz Korrektur einen normalen Sehfunktionswert nicht erreicht. Somit ist dessen Sehschärfe in der Ferne und/oder in der Nähe auf 1/3 (30%) bis 1/20 (5%) der Norm (100%) herabgesetzt.

Ein Sehbehinderter mit 1/20 Sehkraft kann aus 1 m Entfernung das erkennen, was ein Normalsichtiger aus 20 m Entfernung sieht. Ebenso können auch Gesichtsfeldausfälle von dementsprechendem Schweregrad eine Sehbehinderung begründen.

Was genau bedeutet z.B. ein Sehvermögen von weniger als 5 %?

Die diversen Augenerkrankungen wirken sich extrem unterschiedlich aus. Ein Sehvermögen von weniger als 5 % kann somit bedeuten:

  • dass ein Mensch einen Gegenstand erst aus 5 m Entfernung erkennt, den ein normal sehender Mensch bereits aus 100 m Abstand erkennt.
  • oder dass ein Mensch wie durch einen Tunnel nur 5 % des normalen Gesichtsfeldes sieht.

Blind ist nicht gleich blind

Wann gilt man als blind?

Ein Mensch ist blind, wenn er auf dem besser sehenden Auge auch mit Brille/Kontaktlinsen nicht mehr als 2 % von dem sieht, was ein Mensch mit normalem Sehvermögen erkennen kann – Sehvermögen ≤ 2 %. Oder man hat vergleichbare Einschränkungen.

Das heißt, dass die wenigstens blinden Menschen komplett schwarz sehen. Manche sehen noch hell/dunkel, Umrisse, etc. Das ist ganz individuell und kommt u.a. auf die Umstände der Erblindung bzw. der Erkrankung an.

Deshalb ist es auch eine sehr schwierige Frage, (egal ob bei einem sehbehinderten oder einem blinden Menschen), einem sehenden Menschen zu erklären was man überhaupt noch sehen kann.

  • Man weiss nicht unbedingt, was man denn nicht mehr alles sieht – hört sich komisch an ist aber so 😉

  • Zum anderen haben Blinde (welche nicht von Geburt an blind sind), vielleicht noch nie „gut“ oder sogar 100 % gesehen und wissen gar nicht wie das ist normal zu sehen

  • Mimik und Gestik können auch noch viele blinde Menschen, wenn sie sich dies antrainiert haben oder erst spät erblindet sind – sie wissen dann auch oft die Mimik/Gestik vom gegenüber etwas einzuschätzen. Jedoch können sie diese nicht mehr sehen und direkt deuten

  • Des Weiteren ist das beschreiben von Sinneseindrücken eh sehr schwierig

  • Ein weiterer Punkt ist zudem das dass Gehirn auch noch eine wichtige Funktion des Sehens übernimmt
  • So weiss man z.B. schon was das für ein Gegenstand ist (wenn man ihn kennt/oder weiß wo er steht), obwohl man ihn nicht richtig oder gar nicht sehen kann
  • Beispielsweise hat mein Gehirn unsere Wohnung abgespeichert – somit kann ich mich dort komplett bewegen ohne irgendwo gegen zu rennen. Dies hab ich gemerkt, als wir renoviert haben und vieles auf einmal entweder im Weg oder nachher alles anders stand. Da brauchte ich einige Monate um mich umzugewöhnen, da entstand schon der eine oder andere Beule oder blauer Fleck 😉
  • In dem Supermarkt wo ich immer einkaufen gehe, weiss ich so gut wie jedes Regal auswendig, wo was genau in welcher Reihe steht – ich kann einfach danach greifen. Räumt der Supermarkt natürlich um, hab ich ein Problem ;-S

Genutzte Quellen:

https://www.dbsv.org/zahlen-fakten.html

https://www.bsvsb.org/index.php/definition-sehbehindert.html

2. Sehgeschädigte Menschen sind (meistens) nicht automatisch auch schwerhörig oder gehörlos…

Warum ich das als Fakt mit aufnehme?

Weil es tatsächlich einige Menschen gibt, die automatisch anfangen mit einem sehr laut zu sprechen.

Natürlich gibt es auch einige die gleichzeitig auch schwerhörig/gehörlos sind, jedoch ist dies eher seltener der Fall.

Man versucht dann demjenigen darauf Aufmerksam zu machen, dass man zwar sehgeschädigt ist aber noch ganz „normal“ hören kann. Und man bitte in angemessener lautstarke mit einem sprechen soll. Denn das ist für mich und ich denke auch für die meistens Menschen die blind oder sehbehindert sind, sehr unangenehm.

3. Sehgeschädigte Menschen möchten gerne persönlich angesprochen oder erst gefragt werden bevor man einen anfasst

Die meisten Menschen mit Sehbehinderung kennen dieses Phänomen und empfinden dies oft als sehr respektlos (obwohl es wahrscheinlich nicht so gemeint ist). Dieses erleben jedoch auch viele Menschen mit anderen Behinderungen. Sie werden nicht persönlich angesprochen.

Wenn man z.B. mit einem Bekannten/Freund irgendwo steht und man ist eben als „blind“ / „sehbehindert“ gekennzeichnet, kommt jmd. und fragt (nicht mich) sondern eben denjenigen neben mir „z.B: Ist die blind?“(das finde ich echt unverschämt muss ich sagen) oder “ kann sie denn gar nicht mehr sehen“ oder „brauch sie Hilfe“?. Das sind nur einige Beispiele.

Mir ist bewusst, dass viele Menschen nicht wissen wie sie damit umgehen sollen. Aber ganz ehrlich würde ich mir wünschen, dass man erst nachdenkt. Denn hat hat sehr viel mit Respekt zu tun. Ich stehe direkt daneben und es wird so getan, als wäre ich gar nicht da ODER wäre nicht in der Lage zu sprechen oder demjenigen eine Antwort auf diese Frage zu geben. Das ist schon sehr demütigend. Wenn man sich eben nicht traut, einen direkt anzusprechen, dann sollte man es einfach sein lassen.

Zudem kommt es leider öfter vor, dass Sehende blinde oder sehbehinderte Menschen „einfach“ am Arm greifen und entweder über die Straße „ziehen“ oder woanders hinführen wollen, obwohl sie eigentlich dort gar nicht hin wollten.

Meistens möchten die Leute nur helfen und meinen dass der blinde Mensch hilfslos ist oder so aussieht. Jedoch sollte man NIEMALS ungefragt eine sehbehinderte/blinde Person festhalten oder anpacken ohne sich bemerkbar zu machen. Oder eben irgendwo hinziehen ohne deren Einverständnis. Zum einen können sie sich erschrecken und zudem bevormundet man diese Person die man noch nichts einmal kennt.

Auch wenn es nur nett und hilfsbereit gemeint ist. Bitte wenn man denkt, dass derjenige Hilfe benötigt immer erst einmal nachfragen und seine Hilfe anbieten. Nur weil man zum Beispiel mit Blindenstock irgendwo steht, ist man nicht automatisch orientierungs- oder hilflos.

Und gerade zu Corona Zeiten geht es absolut nicht, ungefragt jemandem so nahe zu kommen und ihn dann auch noch ohne Vorwarnung anzufassen, wenn er dies nicht sehen kann.

!!! Bitte scheut euch nicht uns Menschen mit Beeinträchtigungen ganz direkt anzusprechen. Das ist wesentlich besser und vor allem respektvoller. Habt keine Angst einfach zu fragen, denn dadurch behandelt ihr uns als ganz normalen Menschen!!!

4. Sehgeschädigte Menschen können sehr gut am PC arbeiten, studieren und auch ganz alleine ein Samrtphone bedienen.

Mir wurde schon öfters Fragen gestellt wie:

Wie kannst du überhaupt am PC arbeiten?

Und wie kannst du denn dann eigentlich studieren?

„Du hast ja ein Smartphone. Du kannst das doch garnicht bedienen oder? “

Da kann ich nur sagen, dass es mittlerweile dank der Technik so viele Möglichkeiten für Menschen mit Behinderung und in dem Fall Sehschädigungen gibt. Ohne diese ganze Technik wäre es wesentlich schwieriger.

Es gibt diverse Hilfsmittel für Menschen mit Behinderung hier für sehgeschädigte einige Beispiele:

Damit ist es z.B. Sehbehinderten und Blinden möglich Texte, Briefen, Internettexten, Bilder und vieles mehr zu erfassen.

Natürlich muss man anmerken, dass es alles länger dauert und eben nicht mal so einfach ist einen Brief / seine eigene Post oder einen kurzen Text zu lesen. Man benötigt für alles Hilfsmittel.

Ein Bildschirm-Lesegerät mit und ohne Sprachausgabe:

  • Es ermöglicht das Vergrößern und Vorlesen von Texten, Briefen Zeitschriften, oder Büchern etc.

Ein Screenreader:

  • Bietet eine ähnliche Funktion wie ein Bildschirmlesegerät, jedoch ist dies eine Software, welche im Prinzip den sehgeschädigten Menschen den Bildschirminhalt vorließt oder an eine Braillezeile (Computerausgabegerät für Blinde) schickt.

Bedienungshilfen: Vergrösserungen und Voice Over:

  • Ist eine Bedienungshilfe beim iPhone, iPad, und Macbook. Sie ermöglicht den Bildschirminhalt komplett vorlesen zu lassen. Egal ob man telefonieren möchte, WhatsApp oder Sms schreiben/anhören möchte
  • Die Vergrösserung wie das Wort besagt, vergrössert alles so wie es der sehbehinderte Mensch benötigt.

Dies sind wie gesagt nur ein paar Beispiele für Hilfsmittel die einem zur Verfügung stehen. Für das tägliche Leben braucht man wesentlich mehr

Man studiert somit genau wie andere Studenten auch. Man benutzt eben seine zur Verfügung stehenden Hilfsmittel und benötigt dazu aber auch wesentlich mehr Zeit. Eine Hausarbeit zu erstellen dauert dann nun mal länger als bei anderen Studenten. Dazu gibt es jedoch auch Möglichkeiten der Beantragung von Nachteilsausgleichen.

Die Pc-Arbeit als auch die Bedienung eines Smartphones läuft ebenfalls mit diversen Hilfsmitteln. Dies erfordert anfangs auch Übung und Geduld.

5. Sehbehinderte & blinde Menschen können backen & kochen

Ob man nun kochen oder backen kann hat nicht zwangsläufig etwas mit einer Behinderung zu tun 😀

Hierzu gibt es ebenfalls etliche Hilfsmittel. Ich habe z.B. eine sprechende Waage die mir das jeweilige Gewicht ansagt. Außerdem benutze ich (meist bei heissen Flüssigkeiten) ein Gerät, das piept bevor es überläuft. Beim Kochen von Milch oder Kakao habe ich z.B. ein Hilfsmittel was laut anfängt zu klackern wenn die Milch koch, damit sie nicht überläuft.

Ich schneide ganz normal mit dem Messer Obst und Gemüse. Muss natürlich mehr aufpassen das der Finger nicht dazwischen ist.

Was mir persönlich allerdings der Fall ist, dass wenn mehrere Personen in der Küche sind, werde ich meistens ziemlich nervös weil ich dann gegen sie laufe und mich nicht mehr „frei“ bewegen kann.

6. Sehbehinderte und blinde Menschen gucken Fernsehen oder gehen ins Kino.

Erst einmal kommt es darauf was genau der Sehbeeinträchtigte noch an Sehvermögen zur Verfügung hat, was und wie viel er noch erkennen kann.

Aber man lernt auch sich sehr auf das Hören zu fokussieren. Bei mir z.B. ist es so, dass wenn ich die Stimmen bei ein Serie gut kenne, höre ich manchmal auch nur mit dem Kopfhörer. das ist jedoch bei jedem individuell.

Zudem gibt es einige gute Hilfsmittel wie Apps die z.B. Greta (Den Link stelle ich hier unten zur Verfügung.. Die App arbeitet mit Audiodeskription und Untertitel. InEar Kopfhörer ermöglichen dass man mit einem Ohr die Audiodeskription hört und mit dem andern Ohr der Kinosound genießt. Somit kann barrierefreies Kino ermöglicht werden.

7. Auch bei sehgeschädigten Menschen Wörter/Sätze mit „guck mal“ oder „wir sehen uns“ verwenden

Das sind Wörter und Sätze des allgemeinen Sprachgebrauchs, die die meistens sehbehinderten und blinde Menschen genauso verwenden wie andere auch.

Überlegt nicht was man sagen darf und was nicht. Natürlich kann es mal vorkommen, dass Sehende auf was zeigen und sagen guck mal und das eben von demjenigen nicht gesehen werden kann. Aber das passiert halt das ein oder andere Mal und ist kein Beinbruch.

Aber diese Sätze im Sprachgebrauch zu verwenden ist völlig in Ordnung. Es gehört zum normalen Umgang und das ist das was Menschen mit Beeinträchtigung (bis zu einem gewissen Grad) anstreben.

8. Sehbehinderte/blinde Menschen möchten sich genauso schminken, schick anziehen wie das Sehende auch machen.

Ob sich jemand hübsch machen und fühlen möchte hängt nicht von Behinderung oder nicht Behinderung ab, sondern vom Charakter des Menschen.

Das hängt von diversen Faktoren ab, ob sich ein Mensch mit seinem „Aussehen“ beschäftigen möchte. Zum einen wie viel er/sei noch sieht, aber auch vollblinde Menschen möchten sich schön fühlen und können sich gut kleiden und Style haben.

Dies hat ja auch etwas mit dem Selbstbewusstsein und der Wertschätzung des eigenen Körpers zu tun. Viele sehgeschädigte Menschen gehen genauso gern shoppen wie jeder andere. Nur eben anders – denn sie benötigen evtl. mehr Unterstützung von Freunden/Familie.

Genauso verhält es sich mit dem Schminken und frisieren. Manchen Menschen ist es sehr wichtig sich zu schminken und eine schöne Frisur zu haben. Ebenso möchten das einige Sehbehinderte/Blinde.

Es gibt mittlerweile extra Seminare für sehgeschädigte Menschen um das schminken richtig erlernen zu können.

Eine tolle Youtuberin welche selbst erblindet ist, gibt Seminare für Blinde und Sehbehinderte. Dort erlernen sie wie man sich ohne zu sehen schön schminken kann. Auf ihrem Kanal blind & Beauty vermittelt Selbstbewusstsein und zeigt auf, dass sich JEDE Frau schön schminken und fühlen kann.

Den Link ihres Kanals und Instagram Profils findest du auf der folgenden Seite, mit vielen weiteren interessanten Links: https://ginasblog-behinderung-erkrankung-lebenswert.de/diverse-links-seiten-blogs-fuer-menschen-mit-beeintraechtigungen-und-behinderungen/

9. Sehbehinderte/Blinde lesen Bücher

Für mich war es z.B. sehr schwer nicht mehr meine Bücher lesen zu können. Ich habe ihr gerne mich in eine Ecke gesetzt um eine „ gut riechendes Buch“ Leseratten versteht was ich meine) zu lesen und Seite für Seite umzublättern.

Aber es gibt noch die Möglichkeit sich die Bücher vorlesen zu lassen von Hilfsmitteln wie Screenreader, Bildschirmlesegerät etc. Natürlich ist dies nicht genau dasselbe. Es gibt leider keinen Ersatz für richtige Leseratten ;-S

Je nach Sehbehinderung können mit gewissen Hilfsmitteln (Lupe, elektrische Lupe) oder auch Ebook Readern mit Vergrösserungsmöglichkeit noch Bücher, gelesen werden.

Die schönste Alternative sind aber noch die Hörbücher. Sie werden nicht von elektronischen Stimmen, sondern von Synchronsprechern gelesen. Sie ziehen einen in den Bann und lassen einen in eine neue Welt eintauchen. Dies gibt einem das Gefühl das Buch selbst zu lesen (zumindest teilweise). Ich kann dir hier sehr gut Audible empfehlen. (Ich werde dir auch gerne mal bei Interesse meine Lieblings Hörbücher in einem separaten Beitrag vorstellen – wo man vergisst das man nicht selber lesen kann).

10. Blinde und sehbehinderte Menschen können nicht automatisch alle Stimmen von Bekannten/Freunden usw. beim vorbeigehen erkennen.

Dieses Beispiel habe ich selber bereits oft erlebt oder andere Menschen mit Sehbeeinträchtigung berichteten auch des öfteren von solchen Situationen. Ich gehe z.B. auf der Straße mit meinem Blindenstock bzw. nun mit meiner Blindenführhündin entlang und man wird auf einmal von der Seite im langsamen vorbeigehen angesprochen gegrüßt und sich evtl. über das Befinden erkundigt.

Das Problem ist, wenn ich keine sehende Begleitung fragen kann, weiß ich meistens gar nicht wer das jetzt genau ist/war. Ist ja nicht immer so schlimm, aber irgendwie ist es schon blöd wenn man nicht weiß mit wem man da denn jetzt spricht/gesprochen hat ;-o

Sind die Stimmen sehr markant oder sehr gute Freunde/Bekannte kennt man die Stimmen. Jedoch (entfernte) Bekannte, Nachbarn oder eben Leute die man so kennt, grüßen ja öfter mal so im vorbeigehen oder bleiben nur ganz kurz stehen.

Es wäre schön wenn du beim vorbeigehen an einem sehbehinderten/blinden Menschen, einfach kurz sagst z.B. „Guten Tag / Hallo, Gina ich bin’s / hier ist …..! Dann ist es etwas einfacher einen direkt zuordnen zu können.

11. Man sieht nicht jedem sehbehinderten oder blinden Menschen an, dass er sehbehindert/blind ist.

Das ist leider ein weit verbreitete Vorurteil. Denn wie bereits erwähnt ist jeder mit seiner Behinderung individuell. Es kommt immer drauf an, warum derjenige eine Sehschädigung erlitten hat.

Bei vielen Menschen ist dieses klassische Bild im Kopf von einem Blinden der mit weit ausgestreckten Händen anderen im Gesicht rumratet um ihn erkennen/wahrnehmen zu können. Oder mit einer Sonnenbrille und Blindenstock etwas orientierungslos umherstreift. Das machen die wenigsten blinden Menschen – ausser sie möchten ihre Augen vor einem Stoß schützen oder haben noch einen kleinen Sehrest und sind sehr lichtempfindlich. Sehbehinderte kann man nur dran erkennt, wenn sie eine dicke Hornbrille aufhaben – was bei vielen nicht der immer der Fall ist und heute gibt es wesentliche Verbesserungen der starken Gläser.

Ich höre leider sehr oft von Menschen. „Hm, sie sind doch überhaupt nicht blind – sie sehen gar nicht behindert aus.“ Ich versteh solche Aussagen ehrlich gesagt nicht ganz. Und sie kommen meistens auch sehr vorwurfsvoll rüber, so dass man direkt in eine Verteidungshaltung kommt. Denn wie muss denn jemand aussehen, damit er behindert „genug“ aussieht. Wie genau wird behindert aussehen definiert?

Es gibt so viele unterschiedliche Menschen, somit auch verschiedene Menschen mit Behinderung und Erkrankungen. Wer sagt denn, wie genau ein Sehbehinderter oder Blinder auszusehen hat?

Jeder Mensch ist mit seiner Behinderung individuell. Man sollte versuchen nicht so in Schubladen zu denken und nicht direkt vorzuverurteilen was derjenige kann und was nicht oder wie er auszusehen hat!

Ich hoffe ich konnte dir etwas Einblick gewähren und einige Fragen dem ein oder anderen Interessierten beantworten. Ich freue mich über Kommentare oder eigene Erfahrungen.

Eure Gina

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