Inklusion – Ist das alles nur ein nettes Märchen?

Im Hintergund sieht man eine Weltkarte in blau. Im Vordergrund stehen Menschen verschiedenen Alters in bunten Farben nebeneinander als Illustrationen. Im Vordergrund mittig der Personen befindet sich ein schwarzer Rollstuhl.}
Teile diesen Beitrag:

Was ist Inklusion eigentlich?

Den Begriff kennen die meisten, aber wissen sie auch was er bedeutet?

Inklusion kommt vom lateinischen inclusio „Einschluss, Einschließung.“ Es bedeutet, dass kein Mensch ausgeschlossen oder ausgegrenzt werden darf.

Auf dem Bild werden die Begriffe Exklusiv, Integration und Inklusion Mithilfe von Kreisen und verschiedenen bunten Punkten dargestellt. 
Z.b. sind bei der Exklusion nur rote Punkte innerhalb des Kreises und alle anders farbigen Punkte außerhalb des Kreises um ihn herum.
Bildquelle: https://www.bayreuth.de/rathaus-buergerservice/leben-in-bayreuth/menschen-mit-behinderung/fachstelle-inklusion/aktionsplan-inklusion/aktionsplan-inklusion-2/

Jeder Mensch hat ein Anrecht auf „Inklusion“ und somit darauf ein gleichberechtigter Teil der Gesellschaft zu sein.

2009 trat in Deutschland das „Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen der Vereinigten Nationen (UN-Behindertenrechtskonvention) in Kraft. In diesem internationalen Menschenrechtsvertrag werden bereits bestehende Menschenrechte behinderter Menschen und dessen Lebenssituation konkretisiert. In der Behindertenrechtskonvention geht es längst nicht mehr um die Integration von „Ausgegrenzten“, sondern darum schon von vornherein allen Menschen uneingeschränkte Teilnahme an allen Aktivitäten zu ermöglichen.

Es soll nicht das bereits von vornherein negative Verständnis von Behinderung Normalität sein, sondern das gemeinsame miteinander aller Menschen mit und ohne Behinderung. Somit hat sich nicht der Mensch mit Behinderung zur Wahrung seiner Rechte anzupassen, sondern das gesellschaftliche Leben Aller muss von Anfang an für alle Menschen (inkl. der Menschen mit Behinderung) ermöglicht werden.

Inklusive gemeinsam verschieden sein – somit ist jeder Teil der Gesellschaft. Ob im Arbeitsleben, in Bildungseinrichtungen oder Freizeitaktivitäten!

Wie klappt denn die Umsetzung der Inklusion?

Die Frage die man hier stellen sollte, ist Inklusion auch Realität oder alles nur ein schön erdachtes Märchen?
In der Mitte liegt ein aufgeklapptes Buch, was pink und grün angestrahlt wird. Um das Buch herum sieht man viele glitzernd und leuchtende pinke und grüne Punkte.
Bild von Yuri_B auf Pixabay

Schauen wir uns doch einfach mal einzelne Bereiche an in der Inklusion theoretisch bereits umgesetzt sein sollte!

Besonders stark wird in diesem Bezug die „inklusive Bildung“ im Artikel 24 der Konvention diskutiert. Ziel dessen ist der gemeinsame Schulbesuch von behinderten und nicht behinderten Kindern einer Regelschule als „Normalfall“ – dies soll keine Ausnahme sein! Diese Zielsetzung ist aber sehr umstritten und geht einigen Kritikern zu weit.

In Schulen und auch Bildungseinrichtungen wird inklusive unterrichtet. Was bedeutet dies genau?

Wie zeigt sich Inklusion im schulischen Miteinander?
Man sieht einen Baum mit braunem Stamm. Ganz viele verschiedene Kinder stellen die Äste des gesamten Baumes dar.
Bild von Gerd Altmann auf Pixabay 

In der Schule sollen somit alle Kinder mit und ohne Behinderung und Förderbedarf gemeinsam lernen.

Wird die Inklusion konsequent umgesetzt sollen Kinder mit Behinderung nicht mehr auf Förderschulen unterrichtet werden, sondern besuchen reguläre Schulen.

Der Unterricht gestaltet sich dann theoretisch anders, denn die Klasse wird nicht mit einem Lehrer sondern zusätzlich mit einem Sonderpädagogiklehrer unterrichtet. Je nach Bedarf haben manche Kinder auch eine Assistenz an ihrer Seite. Im Unterricht werden die persönlichen Vorraussetzungen der Kinder berücksichtigt. Zum Beispiel durch individuelles Lerntempo, Arbeitsblättern, oder Gruppenarbeiten. Kinder mit Sehbehinderung sollen sich mit ihrem Computer z.B. mit der elektronischen Tafel verbinden können. Bei Kindern mit Hörminderung soll auf eine gute Raumakustik geachtet werden.

Das hört sich ja alles soweit ganz gut an, aber ist dies auch an den Großteil der Schulen so überhaupt umsetzbar?

Wie inklusive sind Deutschlands Schulen?

Nach jüngsten Berechnungen liegt der Anteil an Kindern mit individuellen Förderbedarf, welche inklusiven Unterricht besuchen bei ca. 37 % (Schuljahr 2015/2016). Innerhalb Deutschlands schwanken die Zahlen, da Bildung Ländersache ist.

In vielen Ländern schließen viele Förderschulen und andere richten erst noch Schwerpunkte für unterschiedliche Förderbedarfe an einzelnen Regelschulen ein. Zudem sind die Statistiken leider nicht sehr aussagekräftig, da Förderbedarf in den Bundesländern unterschiedlich und in die Statistik aufgenommen wird.

Befürworter der Inklusion meinen u.a. das Kinder so besser auf das „echte“ Leben vorbereitet und selbstständiger werden.

Außerdem sei das deutsche gegliederte Schulsystem zu starr für die diversen Voraussetzungen und Begabungen der Kinder & es erfordert endlich ein umdenken! Kinder ohne Behinderung lernen so früher den Umgang und verlieren so erste Berührungsängste. Menschen mit Behinderung verschwanden bereits viel zu lange in Förderschulen und müssen teilhaben und sichtbar werden.

Kritiker der Inklusion meinen, dass Kinder mit Behinderung das Lerntempo bremsen und so leistungsstarke Kinder nicht richtig gefördert werden.

Zudem würden Kinder mit Behinderung an Förderschulen besser gefördert und unterstützt werden. Zudem würden sie an Regelschulen Spot, Ausgrenzung und Versagen erleben. Zum einen hätten Lehrer heutzutage schon bereits genügend Stress, aufgrund der zusätzlichen Aufgaben parallel zum Unterricht und zum anderen wären die Schulen nicht dementsprechend ausgestattet.

Gerade das Thema Inklusion an Schulen polarisiert und es gibt viele unterschiedlichen Meinungen.

Aber wie kann nun Inklusion an Schulen gelingen?

Die konkrete Umsetzung läuft nicht an allen Schulen gut, so dass bei vielen Menschen der Eindruck entsteht das Inklusion der falsche Weg ist. Schulen wo Inklusion jedoch gelingt, werden oft übersehen. Für einen erfolgreichen inklusiven Unterricht müssen jedoch gewisse Bedingungen erfüllt sein, damit es funktioniert.

Die Politik, das Land als auch die Kommunen müssen Reformen in der Schulorganisation anstoßen. Hier geht es um diverse Unterrichtskonzepte, und bauliche Maßnahmen. Außerdem benötigen die Schulen mehr Sonderpädagogen und dafür muss die Politik bereit sein wesentlich mehr Geld zu investieren. Zudem müssen aber auch alle Eltern und Lehrer offen für diese Veränderungen sein und Bereitschaft zeigen konstruktiv zusammen zuarbeiten.

Einen weiteren Beitrag zum Thema „Inklusion an Schulen“ verlinke ich dir am Ende dieses Artikels. Dort habe ich ein interessantes Interview mit der Lehrerin Frau Blumberg zu dieser Thematik geführt!

**Aber hier hört ja Inklusion nicht auf **

Wie sieht es denn in anderen Bereichen z.B. am Arbeitsplatz bzw. generell in Unternehmen aus und im Bereich der Freizeitgestaltung?

Laut Myhandicap.de haben in Deutschland fast 10 Millionen Menschen eine körperliche oder geistige Einschränkung. Zudem sind Menschen mit Handicap hoch qualifiziert und stellen somit aus gesamtwirtschaftlicher Sichtweise mehr Fachkräfte, als nicht schwerbehinderte Arbeitnehmer.

Für Arbeitgeber als auch Kollegen ist die Inklusion leider oft noch eine Herausforderung. Außerdem scheitert es oft an notwendigem Wissen und der Ermöglichung barrierefreier notwendiger Arbeitsplätze.

Arbeitgeber, welche zuvor keine Arbeitnehmer mit Handicap beschäftigt haben agieren oft sehr verunsichert und wissen eben nicht welche geeigneten Maßnahmen notwendig sind, um den Arbeitnehmer entsprechend zu fördern.

Es sollte besser zu viel als zu wenig über alle Schwierigkeiten, Bedürfnisse oder benötigten Hilfsmittel kommuniziert werden. Die bewusste Integration hat einen positiven Effekt auf die Arbeitsleistung.

Entscheidend ist die Leistungsfähigkeit des Mitarbeiters und nicht seine Behinderung. Wenn das die Unternehmen erkennen, profitieren alle davon.

Auf der Internetseite Aktion Mensch findet man den Inklusionsbarometer Arbeit. Dies ist ein Instrument zur Messung von Fortschritten bei der Inklusion von Menschen mit Behinderung auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Das Handelsblatt Research Institute erstellt in Kooperation mit Aktion Mensch seit 2013 jährlich den Inklusionsbarometer. Somit können Fortschritte oder auch Rückschritte bei der Inklusion in der Arbeitswelt langfristig gemessen und beobachtet werden.

In den sieben Jahren hat sich die Inklusionslage stetig verbessert. Die Arbeitslosigkeit unter den Menschen mit Behinderung ist gesunken und die Erwerbstätigkeit hat zugenommen. Trotzdem lag die Arbeitslosenquote der Menschen mit Behinderung im Jahr 2018 mit 11,2 deutlich höher als die Arbeitslosenquote mit 5,2 bei Menschen ohne Behinderung.

Die Arbeitsmarktsituation hat sich im vergangen Jahr weiterhin positiv entwickelt. Jedoch weisen im Gegensatz zu großen Unternehmen kleinere Unternehmen mit 20-60 Mitarbeitern, einen hohen Informations- und Beratungsbedarf zum Thema Inklusion auf.

Sie haben zudem oft keine große Personalabteilung und speziell geschulte Mitarbeiter, welche über umfassende Kenntnisse hinsichtlich Unterstützungs- und Förderungsmöglichkeiten verfügen. Diese müssten aktiv informiert werden, um die Arbeitsmarktchancen zu verbessern.

Den gesamten Inklusionsbarometer 2019 findest du hier:

https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=&ved=2ahUKEwiEt5yJm9XqAhXJDOwKHW7bCwgQFjABegQIBhAB&url=https%3A%2F%2Fwww.aktion-mensch.de%2Finklusion%2Fdam%2Fjcr%3Ae7ce119c-93f1-404b-8d56-a038c5d136f2%2Faktion-mensch-inklusionsbarometer-2019.pdf&usg=AOvVaw3-zWceRnypBM7xvtp_zCjD

Für eine selbstbestimmte und gleichberechtigte Teilhabe am kulturellen Leben, gehört z.B. die barrierefreie Nutzung von Medien, genauso wie die Umgestaltung von Kinos, Theatern Museen etc. Aber auch barrierefreie Reise- und Sportangebote gehören dazu.

Diverse Vereine, Verbände und Organisationen bemühen sich die Freizeitgestaltung von Menschen mit Einschränkungen zu verbessern als auch zu gestalten. Zudem setzen sie sich u.a. auch durch Öffentlichkeitsarbeit für ein inklusives Freizeitangebot ein. Beispielsweise setzten sich Aktion Mensch sehr für ein selbstverständliches Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung auch in der Freizeitgestaltung ein. Die Diakonie Michaelshoven bietet ebenfalls Freizeitangebote für Menschen mit Behinderung an.

Es besteht hier jedoch noch großes Verbesserungspotenzial in diesen Bereichen, denn alltägliche Freizeitangebote sind leider oft noch nicht von Menschen mit Beeinträchtigung komplett barrierefrei nutzbar wie z.B. viele Bildungsangebote.

Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass gerade bei der Inklusion in Bereich Freizeit noch hoher Verbesserungsbedarf besteht. Jedoch wird sich bemüht dauerhaft immer mehr möglich zu machen.

Ich habe hier lediglich an der Oberfläche zum Thema Inklusion in Schulen, am Arbeitsplatz und im Bereich Freizeit berichtet. Ich wollte hier lediglich einen kleinen Einblicken die Thematik Inklusion geben und zum nachdenken anregen.

Wie empfindet ihr die Inklusion in den Bereichen Schule, am Arbeitsplatz & in der Freizeit?

Was habt ihr für Erfahrungen gemacht und gibt es Bereiche wo ihr euch wünschen würdet dass Inklusion noch besser funktionieren würde? Bitte kommentiert und schreibt gerne eure Erfahrungen unten in die Kommentarfunktion.

Eure Gina

Gesamte genutzte Quellen:

Inklusion in der Schule – https://www.aktion-mensch.de/dafuer-stehen-wir/was-ist-inklusion/inklusion-schule.html

Inklusion in der Schule. Pro & Contra – https://www.aktion-mensch.de/inklusion/bildung/hintergrund/zahlen-daten-und-fakten/inklusion-schule/inklusion-in-der-schule.html

Hintergrundwissen Inklusion – https://www.aktion-mensch.de/dafuer-stehen-wir/was-ist-inklusion/hintergrundwissen-inklusion.html

So gelingt die Inklusion gesundheitlich eingeschränkter Menschen am Arbeitsplatz.https://www.myhandicap.de/job-ausbildung-behinderung/inklusion/inklusion-am-arbeitsplatz/

Inklusionsbaromater 2019, Zahlen, Daten, Fakten. https://www.aktion-mensch.de/inklusion/arbeit/zahlen-daten-fakten.html

Inklusionsbarometer 2019. https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=&ved=2ahUKEwiEt5yJm9XqAhXJDOwKHW7bCwgQFjABegQIBhAB&url=https%3A%2F%2Fwww.aktion-mensch.de%2Finklusion%2Fdam%2Fjcr%3Ae7ce119c-93f1-404b-8d56-a038c5d136f2%2Faktion-mensch-inklusionsbarometer-2019.pdf&usg=AOvVaw3-zWceRnypBM7xvtp_zCjD

Du möchtest in Zukunft immer auf dem laufenden bleiben und keinen neuen Beitrag mehr verpassen? Dann melde dich oben rechts in der Spalte oder unten auf der Website zu meinem Newsletter an!

Mehr zu diesem Thema:

Ein ausführliches interessantes Interview zum Thema Inklusion mit Vanessa Blumberg (28), Lehrerin an einer Gesamtschule, findest du in einem separaten Beitrag.

Teile diesen Beitrag:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.