Krankheit und Behinderung können oft einsam machen

Eine Frau sitzt an ihrem Fenster mit angewinkelten Knien und einem Arm auf dem Knie. Sie trägt einen weißen Pullover und eine dunkelblaue Jeans. Sie schaut nachdenklich aus dem Fenster nach draussen.
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Einsamkeit betrifft immer mehr Menschen und die Vereinsamung gilt als eines der größten sozialen Probleme in unserer modernen Gesellschaft.

Im Jahr 2017 befragten das Marktforschungsinstitut SPLENDID RESEARCH im Rahmen einer repräsentativen Studie 1039 Personen zwischen 18 und 70 Jahren zum Team Einsamkeit.

12 Prozent der Deutschen fühlen sich sehr häufig oder ständig einsam. Vier von fünf Deutschen fühlen sich manchmal einsam. Als Gründe geben sie u.a. an:

  1. 15 % andere Menschen
  2. 27 % Die Kommunikation wird immer unpersönlicher (Emails, Smarthpohne, Online-Shopping)
  3. 36 % es liegt an eigemein Charakter
  4. 49 % spontane Stimmung/ aktuelle Laune
  5. 55 % aktuelle Lebensumstände (Arbeit, Umzug,Trennung , Erkrankung etc.)
Die zeigt das Einsamkeit jeden Menschen treffen kann, dabei gibt es Personengruppen denen es durch Alter, Erkrankung, Behinderung manchmal „schwerer“ fällt neue Leute kennenzulernen oder Freundschaften/Partnerschaften zu pflegen.

Einsamkeit hat natürlich viele Gesichter und hat nicht primär etwas mit Erkrankung und Behinderung zu tun.

Jedoch mit einer Erkrankung oder Behinderung zu leben, kann zu mehr Einsamkeit führen. Gründe dafür können z.B. Vorurteile, Schmerzen, Schüchternheit, Unverständnis oder Scham sein. Aufgrund dessen ziehen sich diejenigen oft zurück in ihren sicheren Bereich wie z.B. die eigene Wohnung und meiden die Gesellschaft.

Mit Erkrankung, Behinderung und/oder Schmerzen stets aktiv am sozialen Leben teilzuhaben ist nicht immer einfach. Selbstverständlich kommt es immer auf die jeweilige Lebenssituation, Krankheitssituation/Behinderungssituation (Schmerzen, Operationen, massive Einschränkungen etc.) der Person, sowie das familiäre und soziale Umfeld, an.

Über Inklusion habe ich bereits in einem anderen Beitrag berichtet. Inklusion wird leider noch nicht in jedem Bereich so gelebt, wie es „vorgesehen“ ist. Viele Aktivitäten, Bereiche sind für „uns“ nicht so erreichbar oder machbar wie es bei gesunden Menschen der Fall ist. Natürlich wird immer mehr für Behinderte als auch die Barrierefreiheit in der Gesellschaft getan.

Jedoch habe ich selbst in den vergangen Jahren, öfter die Erfahrung machen müssen, eigentlich nicht richtig zu dieser sozialen Gesellschaft zu gehören.

Das man es zwar honoriert wie ich mein Leben meistere und sie dies bemerkenswert finden aber man bekommt oft das Gefühl vermittelt, trotzdem Mensch „zweiter Klasse“ bzw. nicht richtig dazuzugehören oder dass man im Prinzip zu Hause in seinen vier Wänden am besten aufgehoben sei.

Man benötigt oft leider einige Unterstützung um eben dasselbe leisten zu können wie ein gesunder Mensch. Dies heisst jedoch nicht, dass man weniger qualifiziert ist oder leisten kann.

Bitte versteht mich nicht falsch, ich bin sehr dankbar für die Unterstützung durch z.B. Hilfsmittel und meinen Blindenführhund. Dafür habe ich sehr lange und hart kämpfen müssen. In der Vergangenheit wurde mir oft gezeigt und auch gesagt, dass ich dies oder jenes mit meiner Erkrankung/Behinderung nicht schaffe ohne meine Hintergründe richtig zu kennen.

Zum Beispiel musste ich mir sagen lassen, dass es reichen würde mich 500 m mit meinem Blindenführstock um meine Wohnung zu bewegen. Das war schon ein Schlag ins Gesicht. Oder ein Busfahrer meinte mal im Beisein meiner Mutter zu mir, wenn ich nicht in der Lage bin ohne eine Begleitung Bus zu fahren, sollte ich doch besser zu Hause bleiben.

Ich weiß wie schwierig es sein kann, sich in der heutigen Gesellschaft zu beweisen oder Kontakte und Freundschaften zu pflegen.

Ich bin seit meinem sechsten Lebensjahr krank und habe nie „normal“ gelebt. Mein Leben war und ist geprägt von Ärzten, Krankenhäusern, Schmerzen und Schicksalsschlägen. Aber ich habe nie aufgeben und fand immer was wofür sich das kämpfen lohnt. Jedoch ist dieses Leben oft schwer mit Freunden, Ausgehen, Arbeit , Freizeit zu integrieren. Es gab Monate in denen ich tagtäglich mit Schmerzen zu Hause verbringen musste ohne vor die Türe zu können oder Jahre in denen ich viele Operationen und Krankenhausaufenthalte hatte.

Wenn man so lebt, ist es z.B. schwierig feste Treffen mit Freunden zu planen oder regelmäßig arbeiten zu gehen, Dinge zu machen die „gesunde“ Menschen „tagtäglich“ so machen.

Natürlich haben die meisten dafür Verständnis. Aber das Verständnis ist begrenzt. irgendwann meldet sich der ein oder andere nicht mehr, weil man beispielsweise immer wieder Treffen, Termine absagen musste oder sich nie auf einen Termin festlegen wollte. Sich öfters bei schweren Phasen zurück zieht oder bei der Arbeit viel krank ist und fehlt. Menschen erkundigen sich oft nach wie es einem geht, aber die „Wahrheit“ will eigentlich niemanden wissen, da sie kaum damit umgehen können.

Gesunden Menschen ist es oft nicht möglich sich in die Lebenssituation eines kranken oder behinderten Menschen richtig einzufühlen.

Selbstverständlich gibt es auch gute Freunde die zu einem halten, man muss versuchen sich nicht komplett vor allem und jedem zu verschließen. Das ist nicht immer leicht.

Das Internet ist natürlich kein richtiger Ersatz für reale Freundschaften oder sozialen Kontakt. Aber wichtig ist, dass man sich jemandem anvertrauen und sich so vielleicht weiterentwickeln kann. Es gibt bereits diverse Gruppen z.B. bei Facebook und Co. Aber da sind es oft eingeschränkte Gruppen auf eine Erkrankung oder Behinderung.

Aber da ich mich in den letzten Monaten mit vielen Menschen mit Beeinträchtigung ausgetauscht habe und auch in einigen Foren unterwegs war, merkte ich das wir alle trotz unterschiedlichen Erkrankungen/Behinderungen vieles gemeinsam haben.

Ich möchte euch hier einen geschützen Raum bieten, so dass sich alle Menschen die möchten, mit diversen Beeinträchtigungen austauschen können um sich gegenseitig zu unterstützen und zuzuhören.

Wie empfindest du das Thema Einsamkeit?

Gerne kannst du unter diesem Beitrag Kommentare schreiben oder über eigene Erfahrungen berichten.

Eure Gina

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