Menschen mit Behinderung – Do’s đŸ‘đŸ» & Don’ts đŸ‘ŽđŸ» im Umgang, Verhalten & Kommunikation

Auf dem Bild sieht man Gina. Die Die rechte Hand zeigt mit dem Zeigefinger auch oben - oben drĂŒber steht das Wort Do's. Ihre linke Hand zeigt ebenfalls mit dem Zeigefinger nach oben - drĂŒber steht das Wort Don'ts . Sie lĂ€chelt und die Kamera und trĂ€gt einen Blindenbutton.
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Wie spreche ich denn bloß Menschen mit Behinderung an? Was darf ich sagen? Darf ich „Auf Wiedersehen“ oder „wir sehen oder hören uns“ zu einer blinden oder gehörlosen Person sagen? Wie reagiere ich richtig bei Menschen mit Behinderung? Soll ich meine Hilfe anbieten oder lieber nicht?

Diese und andere Fragen höre ich selbst immer wieder in meinem Alltag oder lese sie in BeitrÀgen, Kommentaren oder Fragen auf Profilen oder in Posts.

Viele Menschen ohne Behinderung sind sich oft unsicher, wie sie Menschen mit Behinderung ansprechen oder wie sie allgemein reagieren sollen. Sie haben Angst mit gewissen Worten oder Taten zu diskriminieren und versuchen den Umgang oder Kontakt aus Unwissenheit eher zu meiden.

Was kann und darf man denn sagen und was sollte man wirklich lieber lassen?

Pauschal kann man natĂŒrlich diese Fragen nicht beantworten – denn jede Person muss das fĂŒr sich selbst definieren. Dennoch gibt es einige Tipps fĂŒr den Umgang, dem Verhalten und der Kommunikation.

Denn vor allem die Sprache macht bereits viel aus und wirkt auf Menschen. Jedoch ist eine ZurĂŒckhalten von Wörtern/SĂ€tzen „wir sehen uns / wir hören uns “ eine Redewendung die fast jeder Mensch mal benutzt. Deshalb sollte man nicht erschrocken zusammenzucken wenn man zu einer sehbeeintrĂ€chtigten Person sagt „wir sehen uns“ oder zu einem Person im Rollstuhl „sollen wir dahin gehen“. Denn das macht es wesentlich unangenehmer sich z.B. dafĂŒr hochrot zu entschuldigen.

Bei vielen Aktivisten, Podcasts und Inkluencern geht es um solche wichtigen Fragen. Wie kann u.a. durch Sensibilisierung z.B. diskrimierungsfreie Sprache gestÀrkt werden.

Ich selbst habe in den letzten Wochen selbst das ein oder andere von tollen Profilen und Blogs gelernt – und auch (Fremd) Wörter die ich selbst kaum oder garnicht kannte bzw. mir ĂŒber bestimmte Aussagen auch keine Gedanken gemacht.

Ich selbst habe aber jedoch schon immer gesagt, dass ich persönlich das Wort „Behinderung“ als kein schlimmes Wort oder Schimpfwort empfinde. Denn:

Behinderung ist (lediglich) ein Merkmal der Person und macht eben nicht den ganzen Menschen aus.

FĂŒr Behinderung gibt es mittlerweile unzĂ€hlige Bezeichnungen wie BeeintrĂ€chtigungen, EinschrĂ€nkungen, Handicap, besondere BedĂŒrfnisse, besonderer UnterstĂŒtzungsbedarf, anders begabt usw.

Jedoch muss dies jeder Mensch mit Behinderung fĂŒr sich entscheiden und soll so angesprochen werden wie er das möchte bzw. wie er sich am wohlsten fĂŒhlt. Aber wenn du ihn mit seinem Namen oder als Mensch/Person ansprichst, bist du auf der sicheren Seite denn das ist „ seine Bezeichnung “ :-D. Aber frage die Person einfach was sie möchte. “

Hier zeige ich dir nun einige Do’s & Dont’s im Umgang & Verhalten sowie der Sprache – außerdem findest du eine Liste mit wichtigen Begriffen im Zusammenhang mit Behinderung / BeeintrĂ€chtigung.

Auf dem Bild sieht man eine Vektorgrafik als Symbole fĂŒr Do's and Don'ts in grĂŒn und rot . Mit Daumen nach oben und unten.
Lizenz erworben bei Shutterstock

DON’TS

  • Du sprichst direkt die Begleitperson eines Menschen mit Behinderung an und fragst ihn etwas ĂŒber die Person
  • Du siehts eine Person im Rollstuhl, welche ĂŒber einen hohen Bordstein möchte. Du gehst hin und packst dir direkt den Rollstuhl, um demjenigen schnell helfen zu können. Ist doch nett von dir.
  • Auf der Straße siehst du z.B. eine Person im Rollstuhl, mit einem Blindenstock oder eine Mutter mit Kind mit Behinderung & sagst deiner Meinung nach „emphatisch“: „Oh, das tut mir aber sehr Leid fĂŒr sie – sie Arme/r. Was ist ihnen denn bloß passiert oder was haben sie denn fĂŒr eine Behinderung / Erkrankung ? “
  • Im Park triffst du z.B. eine Bekannte im Rollstuhl und meinst zu ihr „Oh ich finde das so super, dass du trotz deiner Behinderung so mobil bist und viel in deiner Freizeit unternimmst – echt klasse. “
  • In einem CafĂ© siehst du einen Menschen mit Behinderung und er tut dir entweder Leid oder du bist du solchen Situationen ĂŒberfordert und starrst die Person regelrecht an
  • Aussagen oder Denkweisen wie zum Beispiel Menschen im Rollstuhl können das nicht…. Gehörlose/ blinde Menschen können dies nicht…Menschen mit Behinderung leiden sicherlich total unter ihrer Behinderung oder Erkrankung
  • Du kennst Menschen mit Behinderung oder hast jemandem in deinem Bekanntenkreis und denkst das du somit ĂŒber alle Menschen mit Behinderung „Bescheid weist und mitreden kannst “
  • Du möchtest einer blinden Person deine Hilfe anbieten und sprichst sie sehr laut und sehr langsam an „HALLO….Kaaannn ich Iiihnen helfen ? Wo wollennn sie denn hin?

DO’S

  • Frage oder spreche die Person mit Behinderung bitte immer selber an – die Begleitperson hat die Nebenrolle.
  • Bitte frage denjenigen immer zuerst ob er Hilfe benötigt und warte auf die Antwort – BEVOR du aktiv handelst. UND Sei bitte nicht „beleidigt“ falls deine Hilfe eben nett ausgeschlagen wird.
  • Es ist fĂŒr niemanden toll wenn sie auf der Straße von fremden Menschen – ohne weiteres Wissen angesprochen und bemitleidet und „ausgequetscht“ zu werden. Zum anderen ist es nicht angebracht solche Fragen zu stellen ohne das sie die Person kennen oder sich dies durch ein GesprĂ€ch ergeben hat. Das findet niemand schön.
  • Solche Bemerkungen sind eher unpassend, denn die Behinderung ist lediglich ein Merkmal von vielen der Person. Reduziere denjenigen nicht „nur“ auf seine Behinderung.
  • Anstarren ist keine gute Umgangsform, denn KEIN Mensch wird gerne angestarrt. Bitte versuche das zu unterlassen. Auch blinde Menschen spĂŒren Blicke.
  • Solche Aussagen / Denkweisen sind zum einen pauschalisierend und unpassend. denn jeder Mensch geht unterschiedlich mit seiner Behinderung um und zum anderen solltest du versuchen dein Schubladendenken zu â€žĂŒberdenken“
  • Hier gilt dasselbe – nur weil du jemandem mit einer Behinderung kennst weisst du nicht automatisch Bescheid wie sich Menschen mit Behinderung fĂŒhlen, was sie brauchen oder wollen
  • Die meisten Menschen mit SehbeeintrĂ€chtigung sind (gewöhnlich) nicht begriffsstutzig oder gleichzeitig gehörlos – spreche mit Menschen mit Behinderung wie du auch sonst mit anderen sprichst

Dies sind nur einige Do’s and Don’ts, Tipps sowie Empfehlungen und sie können sicherlich nicht pauschalisiert und eins zu eins bei jedem Menschen mit Behinderung so „angewendet“ werden.

Reflektiere dich selbst ein wenig und ĂŒberlege, wie du schon mal auf jemanden mit Behinderung zugegangen bist oder zugehen wĂŒrdest? Oder worin du dir unsicher bist.

Das Wichtigste ist –

BITTE HAB KEINE ANGST NACHZUFRAGEN, WENN DU DIR UNSICHER BIST

– Begriffe der Kommunikation –

Mensch mit „besonderen BedĂŒrfnissen“ oder „besonderen FĂ€higkeiten“

Vielen befĂŒrchten, dass sie allein mit der Wort „Behinderung “ „behindert “ beleidigen oder auch stigmatisieren. Aufgrund dessen wurden viele „Beschönigungen“ als Alternative ins Leben gerufen.- Zum Beispiel: „andersfĂ€hig“- „besondere BedĂŒrfnisse“ – „besondere FĂ€higkeiten“ . Zum einen trifft dies nicht zu denn die FĂ€higkeiten und BedĂŒrfnisse behinderter Menschen sind genauso „nicht besonders“ oder nicht„ besonders“ und vielfĂ€ltig Wiedes bei Menschen ohne Behinderung der Fall ist. Zum anderen benutzen eigentlich sehr wenige Menschen mit Behinderung selbst solche AusdrĂŒcke.

Behinderter Mensch – Mensch mit Behinderung

Aufgrund dessen das „behindert“ als Schimpfwort benutzt wird, sind die Worte „Behinderung“ /„behindert“ in Verruf geraten. Dies geschah aber zu unrecht , denn Behinderung ist eine neutrale Beschreibung eines Merkmals

Die Gesunden/ Die Kranken – Menschen mit Behinderung sind krank / haben eine Erkrankung

Die Gesundheit / Gesund sein ist ein konstruierte Vorstellung genau wie das „normal sein“ / „die NormalitĂ€t “ – jeder Mensch hat seinen eigenen subjektiven Blick darauf. Krank sein / eine Krankheit heißt fĂŒr die meisten Menschen nun mal von einem Leiden befallen zu sein, von welchem sie geheilt werden mĂŒssen. Behinderung ist jedoch hingegen i.d.R. etwas Dauerhaftes, welches nicht einfach weggeht – aber auch kein stĂ€ndiges Leiden verursacht oder eben geheilt werden muss. Ein Behinderter Menschen kann auch mal krank sein und z.B. mit einem Schnupfen im Bett liegen. Somit ist das Gegenteil von „behindert“ eben „nicht behindert“ und eben nicht „normal“, „gesund“ etc.

Ableismus /Ableism / Behindertenfeindlichkeit

Auf deutsch Behindertenfeindlichkeit, dies benennt die Diskriminierung gegenĂŒber Menschen mit einer Behinderung. Ableismus geht von einem körperlichen Standard des Menschen aus, welchen eine behinderte Person nicht leisten kann – der behinderte Menschen ist demzufolge „minderwertig“. Auf der sozialen Ebene kennzeichnet dies, dass Menschen mit Behinderung als ausgeschlossen und unsichtbar gelten.

BeeintrÀchtigung / beeintrÀchtigt

Hier ist es etwas schwieriger. Seit einigen Jahren haben sich neue Begriffe etabliert wie eben „Menschen mit BeeintrĂ€chtigungen“ „beeintrĂ€chtigte Menschen“. – Ich selber sage dies auch ab und zu –

ABER kann man dies jetzt als das neue „behindert“ anwenden. Ja und Nein. Wenn du dir die Bedeutung des Wortes BeeintrĂ€chtigung mal kurz durch den Kopf gehen lĂ€sst.

Disability Studies unterscheiden bei Behinderung und BeeintrĂ€chtigung. Die „BeeintrĂ€chtigung“ ist die körperliche Seite der Behinderung. Somit das fehlende Bein / Gehör / der fehlende Arm, die fehlende Sehkraft, die chronische Erkrankung usw. Aber bei „Behinderung“ kommt auch die soziale Komponente hinzu – denn Barrieren Behinderung und schließen aus UND das macht die BeeintrĂ€chtigung ja erst zu einem Problem.

„Der Rollstuhl“

Behinderte Menschen werden leider oft mit ihren Hilfsmitteln gleichgesetzt. Zum Beispiel wenn ein Mitarbeiter der öffentlichen Verkehrsmittel meint „Hier steigt noch ein Rollstuhl ein oder möchte der Rollstuhl aussteigen.“ Der Mensch wird dann somit nebensĂ€chlich, unwichtig und nicht nur auf seine Behinderung sondern auch noch auf sein Hilfsmittel reduziert.

„Taubstumm“

Menschen welche gehörlos sind, sind nicht automatisch „stumm“ oder „taubstumm“. Denn sie können genauso wie Hörenden sprechen und kommunizieren – entweder in der GebĂ€rdensprache oder lautsprachlich. „Gehörlosigkeit“ oder „Gehörlos“ sein sind neutrale Begriffe. Menschen deren Hörvermögen eingeschrĂ€nkt ist bevorzugen „schwerhörig“ oder „hörbeeintrĂ€chtigt“ oder auch „hörbehindert“.

Es gibt jedoch auch einige die sich an dem Begriff Gehörlosigkeit stören, da er suboptimal wirkt. Sie nenne sich weiter „taub“ – da sie damit zeigen wollen dass da „taub sein“ eine ihrer vielen Eigenschaften ist.

„Die Normalen“

Sicherlich gibt es wesentlich mehr Menschen, die gut sehen/hören, laufen können, als wehe die es nicht so gut oder gar nicht können. Jedoch was genau ist denn „Normal“ oder die „NormalitĂ€t“. Wo fĂ€ngt sie an und wo hört sie dann auf. Die Kategorien normal und unnormal sind nicht wirklich zu gebrauchen.

Barrierefreiheit

Was bedeutet denn jetzt wirklich Barrierefreiheit. Viele denken vielleicht direkt an bauliches wie FahrstĂŒhle, Rampen, breitere TĂŒren oder auch Leitstreifen und piepsende Ampeln fĂŒr SehbeeintrĂ€chtigte.

Aber was verbirgt sich genau hinter diesem Begriff. Er teilt auf die Schaffung von ZugÀngen ab. D.h. Menschen Solen weder aufgrund der gesprochenen oder geschriebenen Sprache och aufgrund technischer oder baulicher Vorrichtungen ausgeschlossen werden.

Wenn man sich nicht mit dem Thema beschĂ€ftigt geht man oft davon aus, dass wenn bauliche Bedingungen „stimmen“ es ja alles barrierefrei ist. ABER es geht um so viel mehr. Zum Beispiel steht man an der Bank an und versteht nicht was der Bankangestellte spricht, man sieht nicht dass als er „Bitte schön“ sagt, einen selbst meint. Somit wĂ€re man theoretisch immer auf eine Begleitung/Assistenz angewiesen. Das sind auch wichtige Barrieren.

Da dies hier jetzt zuweht fĂŒhrt werde ich speziell auf das Thema Barrierefreie in einem weiteren Beitrag eingehen – denn gĂ€be es keine Barrieren – gĂ€be es auch keine Behinderung.

Sicherlich ist dies nur ein Einstieg in diese gesamte Thematik und das heisst auch nicht, dass man sich erst 5-mal ĂŒberlegen sollte, wenn man mit einer Person mit Behinderung spricht und was man sagt. Und es ist auch nicht schlimm, mal was falsches zu sagen und Fehler zu machen. Ich drĂŒcke mich auch nicht immer richtig aus – und wĂŒrde es auch niemandem vorwerfen, sondern höchstens darĂŒber aufklĂ€ren.

Eure Gina

Genutzte Quellen:

https://inklusion.bundesakademie-trossingen.de/inklusion-eine-einfuehrung/10-begriffe-zum-thema-inklusion.html

https://dieneuenorm.de/podcast/sprache-behinderung/

https://www.trotz-dem.at/inklusion-leben/

https://leidmedien.de/begriffe/

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