„Stay at Home“ – was können wir in Zeiten von Corona gegen die Vereinsamung tun?

Gina sitzt im Schneidersitz auf der Couch mit einer Tasse in den Händen. Links im Bild steht in großer Schrift „Stay at home“
Teile diesen Beitrag:

Der Corona Virus hält die Welt jetzt seit mehr als einem Jahr in Atem. Um die weitere Ausbreitung abzumildern bzw. zu stoppen, wurden viele Maßnahmen beschlossen. Läden, Restaurants, Kneipen, Diskotheken, Fitness- und Sonnenstudios als auch Schulen, Kitas und Universitäten müssen zum Teil komplett schließen. Die gesamte Veranstaltungs- und Kulturszene wurde lahmgelegt. Viele Menschen verlieren ihre Jobs und Studenten wissen nicht mehr, wie sie den Unterhalt während des Studiums bestreiten sollen. Reiseunternehmen fürchten die Pleite.

Das Leben wie wir es kannten veränderte sich innerhalb kürzester Zeit.

Man musste sich an so viel neues gewöhnen wie mit Masken einkaufen gehen, Abstand halten, Auswärtsessen nur noch eingeschränkt und jetzt nur noch To Go möglich.

Zunächst war der Kontakt zu anderen Mitmenschen lediglich eingeschränkt, aber seit einigen Monaten ist der Kontakt zu anderen auf ein absolutes Minimum reduziert. Viele haben wohl gehofft, dass sich diese Situation nicht so lange hinziehen würde, wie es nun der Fall ist.

Mittlerweile zerrt dieser Zustand, bei vielen Menschen massiv an den Nerven.

Nun muss so gut wie alles mit Maske verrichtet und nur noch das Allernötigste ausser Haus erledigt werden. Mindestens eineinhalb Meter Abstand halten wird zu einer der wichtigsten Regeln, wenn man mit anderen Menschen zusammen trifft. Freizeit- und Sportaktivitäten können kaum mehr ausgeführt werden. Vieles was uns bisher oft den alltäglichen Stress genommen hat, ist nun nicht mehr gestattet.

Einsamkeit war bereits vor Corona ein wichtiges und aktuelles Thema, wie ich bereits in einem anderen Beitrag geschrieben habe. (Den Link findest du unter diesem Artikel).

Sich mit verschiedenen Freunden zu treffen und gemeinsam die Freizeit zu verbringen, zusammen zu joggen oder zu walken ist nun nicht mehr drin. Spazieren gehen, mit einem befreundeten Pärchen oder anderen Hundebesitzern, ist lediglich noch mit einer anderen Person eines weiteren Haushalts möglich. Spieleabende, gemeinsames Kochen, DVD-Abende oder Grillnachmittage, geschweige denn gemeinsames Feiern oder in den Urlaub fahren, fehlen den meisten Menschen extrem.

„Stay At Home“ wird zum weltweiten Motto.

Die Zahlen der Menschen ohne oder mit sehr wenig menschlichen Kontakten, ist mittlerweile sehr groß. Vor allem Risikogruppen müssen sich gezwungenermaßen komplett abschotten und sind somit sozial gänzlich isoliert. Menschen in Pflegeheimen sehen ihre Angehörigen sehr selten oder gar nicht mehr und bleiben alleine. Die Einsamkeit und Verunsicherung der Bevölkerung nimmt seit Monaten stetig zu.

Die Kirchen mussten ihre Türen für Gläubige ebenfalls schließen, was für viele Menschen ein fester Halt in ihrem Leben darstellt. Jedoch haben sich einige auf diese Zeit eingestellt und z.B. auf Online-Gottesdienste umgestellt. Aber vielen ältere Menschen oder Personen ohne Zugang zum Internet, bleibt dies so trotzdem verwehrt.

Da bei vielen Menschen eine Art Stillstand des Alltags eingetreten ist, könnte angenommen werden, dass der alltägliche Stress somit massiv abnimmt. Jedoch sorgen in dieser Zeit z.B. diffuse Ängste, Verunsicherungen, fehlende Sozialkontakte und Freizeitgestaltung, Angst um die eigene Existenz, Altersarmut für massive Stressquellen.

Dies sorgt bei vielen Menschen für Einsamkeit, Ängste, Verunsicherungen und Depressionen.

Gegenwärtig durchgeführte Studien zeigen diese beängstigenden Veränderungen auf. Anrufe bei der Telefonseelsorge oder anderweitigen Telefonhotlines nehmen massiv zu. Risikogruppen und Kinder leiden sehr an dieser sozialen Isolation. Viele Familien fühlen sich mit der Zeit immer mehr überfordert, mit Home-Office, Homeschooling und der Familienbespaßung zu Hause.

Sicherlich hat sich in dieser langen Zeit auch einiges zum Positiven verändert, wie bspw. das sich das Home-Office immer mehr durchsetzt und so vielen Arbeitnehmern Möglichkeiten eröffnen. Familien konnten (zwangsweise) mehr Zeit miteinander verbringen. Soziale Kontakte, Urlaube, Freizeit- und Sportaktivitäten oder der Kontakt zur eigenen Familie werden mehr Wert geschätzt.

Wenn man etwas verliert, lernt man oft erst zu schätzen, wie viel Wert das eigene selbstbestimmte und soziale Leben sein kann.

Psychologen warnen nicht nur vor zunehmender Einsamkeit und Depressionen sondern, ebenfalls vor einem Anstieg von Angst- und Zwangsstörungen sowie des Medikamenten- und Alkoholkonsums.

Der Lockdown wird bei vielen Menschen tiefe Spuren hinterlassen.

Die Unsicherheit wie es in den nächsten Monaten weitergeht, verstärkt sich bei vielen Menschen. Regeln und Maßnahmen werden zum Alltag und schüren Ängste um die eigenen Selbstbestimmtheit. Vor allem bei Menschen mit psychischen Vorerkrankungen ist dieser Zustand besonders gefährlich.

Das Motto „Stay At Home“, geht um die Welt und lässt viele Menschen auf Distanz näher zusammenrücken und zeigt, dass es uns alle betrifft. Viele Menschen schauten hoffnungsvoll in das neue Jahr 2021. Der Zustand veränderte sich jedoch leider bis dato nicht.

Zukunftsforscher warnen vor einer bedenklich ansteigenden Einsamkeit und psychischen Problemen, bei Anhalten dieser Entwicklung.

Unser Leben ist zur Zeit bestimmt von z.B.:

  • Abstand halten
  • Masken tragen
  • allernötigsten Besorgungen erledigen
  • Quarantäne
  • Vermeidung sozialer Kontakte
  • Isolation
  • Home-schooling
  • Distanzlernen
  • zu Hause bleiben
  • Alleine sein
  • Langeweile
  • Ängste, Verzweiflung, Unsicherheit, Einsamkeit

Aber was können wir tun, um der kompletten sozialen Isolation und Vereinsamung entgegenzuwirken?

Gina sitzt mit angewinkelten Beinen mit dem Rücken gegen ein Kissen gelehnt auf der Couch. Sie hält eine Tasse in beiden Händen und schaut in den Raum.

Natürlich gibt es keine pauschalen Antworten was, wem in dieser Zeit helfen kann, da die eigenen Lebensumstände bei jedem anders sind. Hier findet ihr jedoch trotzdem einige Tipps und Unterstützungsmöglichkeiten, bei Langeweile, Ängste, Einsamkeit etc.

Tipps und Unterstützungsmöglichkeiten gegen Vereinsamung in Zeiten von Corona

Gehe wenn es möglich ist, oft an die frische Luft.

An der frischen Luft zu sein, tut dem Körper und der Psyche sehr gut. Egal ob du alleine, mit einer anderen Person oder deinem Hund spazieren gehst, walkst, mit dem Fahrrad fährst oder Inlineskatest. Auch wenn das Wetter zur Zeit nicht immer das Beste ist, nutze die Tage die sich dazu eignen.

Bild von Peter H auf Pixabay 

Oft haben wir keine Lust aus unserer warmen und gemütlichen Wohnung, in das unangenehme kalte Nass zu gehen. Da meine Hündin bei Wind und Wetter raus möchte muss ich immer nach draußen, auch wenn ich mal keine Lust dazu habe.

Gerade in dieser Zeit merke ich, wenn ich schlecht drauf oder traurig bin und trotz Lustlosigkeit nach draußen gehe, dass es mir nach einiger Zeit etwas besser geht. Sicher hat nicht jeder die Natur direkt vor der Haustüre. In der Stadt gibt es oft nicht ganz so viele nette Ecken zum Spazieren gehen oder für sportliche Aktivitäten. Suche dir einen Ort in deiner Umgebung, wo du gerne hingehst auch wenn es etwas weiter weg sein sollte.

Du kannst dir als Ritual vornehmen dich z.B. jeden Mittwochnachmittag mindestens 1 Stunde, draussen an einem „schönen“ Ort aufzuhalten.

Frage wenn möglich eine andere Person, aus der Familie, dem Freundeskreis oder der näheren Nachbarschaft. Manchmal trauen sich andere nicht zu fragen und sind aber selber alleine und würden sich freuen mit jemanden spazieren zu gehen oder etwas an der frischen Luft zu unternehmen.

Verabrede dich regelmässig mit Freunden, Bekannten oder Gleichgesinnten zu einem Telefon- Skype- oder Whatsapptreffen

Bild von secondfromthesun0 auf Pixabay 

Nicht jeder hat Freunde, Familie oder Bekannte mit denen er schreiben, telefonieren oder videochatten kann. Es gibt mittlerweile viele Gruppen, rund um die Themen Corona und Einsamkeit, soziale Kontakte etc. Versuche über z.B. Selbsthilfegruppen, Gruppen in Facebook Personen zu finden, denen es ähnlich geht wie dir selbst.

Versuche dich so viel wie möglich mit anderen auszutauschen. Es geht sehr vielen Menschen ähnlich und die meisten leiden auf die ein oder andere Weise unter dieser Situation.

Schäme dich nicht zu sagen, dass es dir schlecht geht und du dich einsam fühlst. Frage Freunde, Familienmitglieder, Bekannte oder Gleichgesinnte ob ihr einen bestimmten Tag z.B. Freitagabends um 19 Uhr, zusammen telefoniert oder videochattet. Dabei vielleicht zusammen einen Kaffee trinkt, oder euch ein Weinchen oder Bier schmecken lasst.

Wenn es dir schlecht geht und du keinen zum reden hast, melde dich bitte bei bestimmten Telefonhotlines wie z.B. der Telefonseelsorge.

Lizenz erworben bei Shutterstock

Schäme dich bitte nicht, bei solch einer Hotline anzurufen, denn genau dafür sind sie da. Wenn du niemanden hast oder dich keinem anderen anvertrauen möchtest, melde dich dort. Es wird alles vertraulich behandelt und dir hören wertschätzende Menschen zu, die dich nicht verurteilen. Die Anrufe haben nicht ohne Grund in den letzten Monaten um ca. 30 Prozent zugenommen.

Ich werde dir einige Links mit Telefonnummern unter diesen Beitrag schreiben.

Du kannst Online-Therapiesitzungen bei Psychotherapeuten machen

Lizenz erworben bei Shutterstock

Aufgrund von Corona hat es in der Online-Psychotherapie eine Trendwende gegeben. Krisenbedingt wurde durch die Kassenärztliche Bundesvereinigung und dem GKV-Spitzenverband im März 2020 beschlossen, dass Richtlinien-Psychotherapie als auch Psychotherapeutische Sprechstunden und probatorische Gespräche in der Corona-Pandemie auch per Videotelefonie möglich sind.

Dies stellt sicherlich eine Umstellung bei vielen Klienten/Patienten und eine Herausforderung für viele Therapeuten dar. Jedoch bietet dieser Umstand auch eine enorme Chance für viele.

Vielleicht ist es für dich auch einfacher einen Therapeuten aufzusuchen, wenn du die Therapie per Videotelefonie abhalten kannst und nicht in die Praxis gehen musst – mal abgesehen davon, dass du aufgrund von Corona dies nicht könntest.

Nutze die Chance, wenn du Hilfe benötigst und suche dir einen Psychotherapeuten für Online-Psychotherapie.

(Quelle: https://www.aerzteblatt.de/archiv/214316/Psychotherapie-in-der-Coronakrise-Trendwende-in-der-Online-Psychotherapie)

Versuche dir andere Freizeitaktivitäten online oder auf Distanz mit deinen Freunden, deiner Familie zu finden.

1.

Bild von Karolina Grabowska auf Pixabay

Ihr könntet euch z.B. zusammen überlegen ein bestimmtes Buch, immer Kapitelweise zu lesen oder als Hörbuch zu hören. Zudem könnt ihr euch dann bestimmte Zeitpunkte ausmachen, wann ihr euch gemeinsam über Kapitel XY austauschen wollt – das kann sehr spannend sein.

2.

Bild von Tumisu auf Pixabay 

Fangt gemeinsam eine neue Serie an und macht ab wie viele Folgen jeder jeweils bei sich zu Hause in der Woche anschaut – dann könnt ihr euch immer austauschen. Möglich ist auch, dass ihr euch immer an einem bestimmten Abend per Videochat oder Telefonat Folgen gemeinsam anschaut.

3.

Bild von Free-Photos auf Pixabay 

Startet zusammen einen Online-Kochkurs oder überlegt euch ein Gericht und kocht es gemeinsam per Skype, Whatsapp etc. und trinkt dabei ein Glas Wein und schaut wie ihr das Gericht jeweils hinbekommt oder genießt es sogar zusammen per Videochat.

4.

Bild von besteonlinecasinos auf Pixabay 

Spielt gemeinsam lustige, reale, strategische, oder Intelligenz Onlinespiele oder tretet dabei online gegeneinander an.

5.

Bild von StockSnap auf Pixabay 

Startet zusammen ein Online Fitness- Hometraining oder einen Online Yoga-Kurs. Macht euch z.B. ein bis drei feste Tage und Zeiten in der Woche aus, wann ihr trainiert und tauscht euch aus wie ihr voran kommt und was euch schwer fällt.

5.

Bild von Tessa Kavanagh auf Pixabay 

Verabrede dich mit anderen gemeinsam eine neue Sprache zu erlernen – das macht gemeinsam wesentlich mehr Spaß. Fragt euch gegenseitig Vokabeln und Grammatik ab. Versucht euch Schritt für Schritt miteinander in der Sprache zu unterhalten.

Wenn du doch lieber etwas alleine machst, dann versuche alleine etwas Neues für dich zu finden. Wie (neue) Bücher zu lesen / Hörbücher zu hören, , Serien zu schauen, Meditationskurs zu beginnen, Sprachkurse anzufangen, Online Fitness, einen Blog zu schreiben u.v.m.

Es wird sicherlich für den ein oder anderen komisch sein, diese Aktivitäten in der Weise zu machen. Aber versuche offen für neue Erfahrungen zu sein und probiere Verschiedenes einfach aus. Vielleicht macht dir ja das ein oder andere wirklich Spaß und hilft dir und anderen in dieser schwierigen Zeit.

Wie gesagt, gibt es kein Patentrezept um diese Situation so gut wie möglich durchzustehen. Aber denkt immer daran, das wir uns ALLE in ähnlichen Situationen befinden. Sicherlich betrifft es manche Personen mehr als andere. Wichtig ist, dass ihr euch austauscht und über eure Ängste, Unsicherheit, Befürchtungen und Einsamkeit redet.

Irgendwann wird auch diese Zeit vorbei sein und wir werden hoffentlich stärker und dankbarer auf diese Zeit zurückblicken.

Wenn du weitere Ideen und Tipps hast, schreibe gerne einen Kommentar.

Eure Gina

Links zu verschiedenen Online Aktivitäten:

Hörbücher:

https://www.audible.de

https://de.napster.com

https://www.deezer.com/de/audiobooks

https://www.femtasy.com/de/speakers

Online-Spiele:

https://mitvergnuegen.com/2020/online-games-zocken-mit-freunden/

https://www.fm1today.ch/unterhaltung/fun/diese-9-gesellschaftsspiele-kannst-du-online-mit-freunden-spielen-137579273

Online-Kochkurse

https://www.kochdichgluecklich.de/kurse/kochkurse/online-kochkurse/online-kochkurs-natuerlich-essen.html

https://www.meetyourmaster.de/de/kurse/alfons-schuhbeck-lehrt-kochen

https://www.juliankutos.com/online/

Online-Fitness:

https://www.fitnessfirst.de/kurse/online-fitness-kurse

https://vaha.com

https://www.fitforfun.de/sport/fitness-studio/online-fitnessstudio-fit-for-fun-test-virtuelle-fitnessclubs_aid_13811.html

Sprachen online lernen:

https://de.babbel.com

https://de.duolingo.com

https://www.bestesprachwebseiten.com

Links zu Telefonhotlines:

https://www.telefonseelsorge.de

https://www.sorgentelefon.ch/

https://www.deutsche-depressionshilfe.de/start

https://www.bapk.de/angebote/seelefon

https://www.nummergegenkummer.de/kinder-und-jugendberatung/kinder-und-jugendtelefon/

Teile diesen Beitrag:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.